Grußwort von Aydan Özoğuz
Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration für den Verband der Migrantenwirtschaft e.V.

Die Unternehmerinnen und Unternehmer des Verbandes der Migrantenwirtschaft (VMW) tragen einen großen Teil zum Wohlstand unseres Landes bei: Sie investieren, schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und halten unsere Wirtschaft mit in Schwung. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Quote der Selbständigen mit einer Zuwanderungsgeschichte weiter steigt, ist es umso wichtiger, dass auch sie Ausbildungsplätze anbieten. Das war nicht immer selbstverständlich, denn viele hatten in ihren Heimatländern die bei uns notwendige Prüfung als Ausbildungsbetrieb nie ablegen können, weil es eine Prüfung in dieser Form dort gar nicht gab. Kurz vor der Jahrtausendwende hatten die Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte in unserem Land diese Lücke erkannt und praktikable Lösungen gefunden. Hunderte neuer Ausbildungsplätze waren die Folge.

Heute kommen weitere Herausforderungen hinzu: Denn 2013 war das Jahr, in dem die Zahl der Betriebe, die in Deutschland überhaupt noch ausbilden, auf ein Rekordtief seit der Wiedervereinigung gefallen ist. Um hier gegenzusteuern ist zum einen die Weiterentwicklung des Nationalen Ausbildungspaktes in eine Allianz für Aus- und Weiterbildung wichtig. Mit dieser Allianz soll das Ziel erreicht werden, jedem ausbildungsreifen und ausbildungswilligen Jugendlichen einen Weg in eine duale Ausbildung zu eröffnen. Dafür ist das Engagement der Unternehmen für die Ausbildung unverzichtbar. Wir können feststellen, dass sogar Jugendliche, die keinen Schulabschluss schaffen, mitunter sehr erfolgreich ihre Ausbildung durchführen. Manche brauchen eben eine zweite Chance und es macht keinen Sinn, einen jungen Menschen einfach zurückzulassen. Dafür setzt sich die Bundesregierung ein.

Wichtig sind zum anderen auch Initiativen vor Ort, die mit großem Einsatz die Ausbildungschancen aller Jugendlichen verbessern wollen. In Hamburg macht dies z.B. sehr erfolgreich die Stiftung für Migranten. Dieses als Arbeitsgemeinschaft Klein- und Mittelständischer Unternehmer ins Leben gerufene Projekt bringt Unternehmer und Jugendliche mit (und ohne!) familiärer Zuwanderungsgeschichte zusammen und sichert nachhaltige Ausbildungserfolge zum Wohle der Jugendlichen und der Unternehmen. Unter zahlreichen anderen, regionalen Projekten ist auch die vom CGIL-Bildungswerk in Offenbach unterstützte Initiative JUMINA („Junge Menschen in Ausbildung“) zu nennen, in der die wesentlichen regionalen Akteure Jugendliche beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung unterstützen.

Gefragt sind aber nicht nur die Unternehmerinnen und Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte, wenn es um faire Teilhabechancen auf dem Arbeitsmarkt geht, sondern alle Unternehmen. Deshalb ist die interkulturelle Öffnung der Unternehmen, Arbeitgeber und Behörden wichtig. Unternehmen werden durch Vielfalt innovativer, attraktiver und wettbewerbsfähiger. Wer zukunftsfähig sein will, muss die Potenziale seiner Beschäftigten entdecken und fördern. Und ebenso kann unsere Gesellschaft nur dann zukunftsfähig sein, wenn sich niemand aufgrund seiner Herkunft oder wegen seines Aussehens abgelehnt fühlt. Jede und Jeder muss seinen Lebensweg gehen können, ohne dass ihr oder ihm z.B. bei der Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz wegen eines „fremd“ klingenden Namens Steine in den Weg gelegt werden.

Ich selber habe in meinem Leben bisher immer wieder die Erfahrung gemacht, dass mein Name und die Herkunft meiner Eltern Reaktionen hervorrufen: „Die türkische Hanseatin“, „Türkin gesucht“ oder „Jung, Frau, Türkin“ – so hießen bei mir einige Schlagzeilen, als ich 2011 zur stellvertretenden SPD-Parteivorsitzenden gewählt wurde, obwohl ich längst deutsche Staatsbürgerin bin. Auch wenn Klischees und Stereotypen wie diese nicht ganz verschwunden sind, so müssen diese doch immer mehr einem realistischeren Bild auf unsere Gesellschaft weichen. Aber natürlich können wir nicht einfach nur darauf warten, dass sich die Gesellschaft von alleine zum Positiven entwickelt. Deshalb begrüße ich es sehr, dass sich der Verband der Migrantenwirtschaft mit voller Kraft für gleiche Teilhabechancen in unserer Gesellschaft und in der Wirtschaft einsetzt.

Ich wünsche mir, dass der VMW eine starke Stimme für eine moderne und weltoffene Einwanderungsgesellschaft ist und sein Ziel, mehr Anerkennung für Menschen und Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte zu schaffen, erreicht. Als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung kann ich das zentrale Verbandsmotto „Kulturelle Vielfalt schafft Arbeitsplätze“ nur unterstützen. Ich werde die Arbeit des Verbandes gerne begleiten und freue mich auf die Arbeit im Politischen Beirat.

Aydan Özoğuz

Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration

2017-09-29T14:44:57+00:00 14.06.2014|

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