Pressebericht

Ein Artikel von Thomas Schindler, vom 09.05.2013, erschienen in der SparkassenZeitung

Migranten prägen den Mittelstand mit

Jedes dritte Gewerbe wird mittlerweile von einem Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit angemeldet. Die Sparkassen helfen den Unternehmern mit Migrantenhintergrund bei der Existenzgründung.

Entgegen aller demografischen Vorhersagen wächst Deutschland – dank seiner Zuwanderer. Und wer den Fokus nicht allein auf soziale Brennpunkte verengt, entdeckt, wie viele Gründer und Unternehmer mit ausländischen Wurzeln Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung an der Universität Mannheim hat jeder fünfte Selbstständige einen migrantischen Hintergrund. Mittlerweile werde jedes dritte neue Gewerbe von einem Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit angemeldet, so das Bundeswirtschaftsministerium.

Zahlreiche Hürden bremsen aus

„Warum wird Integration eigentlich immer aus einer sozialpolitischen Perspektive betrachtet?“, fragt der Vorstandsvorsitzende des VMW. Sein Verband will aufzeigen, dass es eine Migrantenökonomie gibt. Dieser dynamische Teil der Zuwanderer werde jedoch von einer Reihe von Hürden ausgebremst.

Ausländische Gründer hätten nicht in jedem Fall die benötigte Qualifikation und sie empfänden es häufig als schwierig, mit Banken und Ämtern umzugehen. Darüber hinaus sei die geringe Finanzausstattung „ein Risiko für die Nachhaltigkeit dieser Gründungen“, so eine Studie des Wirtschaftsministeriums.

Dem stellen sich die Sparkassen entgegen. „Bei unseren Firmenkunden machen wir keine Unterschiede zwischen Zuwanderern und Einheimischen“, berichtet Marc Drenkelfort, verantwortlich für Spezialfinanzierungen und Existenzgründungen bei der Sparkasse Vest Recklinghausen. Er und sein Team beraten Menschen, die eben erst aus der Türkei, aus Italien oder Russland gekommen sind, deren Kinder und Enkel sowie Menschen mit deutschem Familienhintergrund.

„Wir merken weder am Geschäftsmodell noch an den Zahlen, woher ein Gründer stammt“, so Drenkelfort. Dass die Geschäftsführer einer Eventagentur oder eines Fleischhandels nicht in Deutschland geboren wurden, spiele keine Rolle bei der Kreditvergabe.

Im Oktober 2012 haben die Sparkassen darüber hinaus in ihrer Erklärung zum Bürgerkonto ihr Gemeinwohlorientierung untermauert, indem sie sich ausdrücklich verpflichtet haben, jeder in ihrem Geschäftsgebiet ansässigen Privatperson im Rahmen der geltenden Gesetze unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Nationalität auf Wunsch zumindest ein Guthabenkonto einzurichten, ergänzt Silvia Frömbgen, Abteilungsdirektorin in der Abteilung Recht und Steuern des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

Durchschnittlich 120 Gründer sprechen jedes Jahr mit der Sparkasse Nürnberg über ihre Finanzierung. „Und von diesen haben rund ein Viertel einen Migrationshintergrund“, berichtet Werner Wendler, Leiter der Corporate Finance in der fränkischen Großstadt. Bei der Finanzierungsquote liegt diese Gruppe nur knapp unter dem statistischen Mittel von 40 bis 50 Prozent.

Angebote müssen auch angenommen werden

Zum einen, so Wendler, setzten diese Existenzgründer auf Kleingewerbegründungen in Branchen mit hohem Wettbewerbsdruck, zum anderen seien die Gründungspläne qualitativ nicht immer ganz ausgereift. „Hier machen wir als Sparkasse zahlreiche Angebote“, sagt Wendler, der mit seinem Team Vorträge für Gründer hält. Diese würden von Migranten und ihren Verbänden aber zu wenig nachgefragt. „Jedoch können wir nur dann Input liefern, wenn wir gefragt werden“, bedauert der Nürnberger.

Potenzielle Unternehmer sollten ihre Pläne in deutscher Sprache präsentieren, erwartet auch Drenkelfort. Schließlich sei das auch die Sprache des Vertrags, den der Kunde unterschreiben müsse. „Jeder, mit dem wir verhandeln und der seine Geschäftsfrau oder seinen Geschäftsmann steht, ist ein möglicher guter Firmenkunde der Sparkasse Vest Recklinghausen“, so Drenkelfort. Denn alle Unternehmen von Zuwanderern und deren Kindern, die er betreut, werden in größerem Stil geplant und durchgeführt.

„Deutsche anderer Herkunft und Zuwanderer sorgen durch ihre unternehmerischen Tätigkeiten für zahlreiche Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Wirtschaftsbrücken“, so der in Manila geborene Verbandspräsident. Das müsse in den Vordergrund.

Zum Originalartikel
2017-10-20T12:23:51+00:00 09.05.2013|