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Nachlese zur VMW Polit-Talk Veranstaltung vom 21. Mai 2019

Ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ein Fluch oder Segen?

In den Räumen des Bildungswerks Kreuzberg diskutierten am 21. Mai Politiker und Unternehmer über die Risiken und Vorteile des Gesetzentwurfs

„Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber man könnte sich noch sehr viel mehr wünschen.“ Mit diesen Worten schloss Armando Garcia Schmidt, Senior Project Manager bei der Bertelsmann Stiftung, seinen ersten Redebeitrag ab.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat am Abend des 21. Mais bei Unternehmern und Politikern für Diskussionsbedarf gesorgt. Noch ist es nur ein Entwurf, doch bereits nächstes Jahr könnte es der Vergangenheit angehören, dass der Wunsch eines Menschen ausländischer Herkunft, in Deutschland zu arbeiten, eine extra Erlaubnis braucht.

Schmidt hatte in seiner Rede drei positive und genauso viele negative Aspekte des Gesetzes parat, die er seinen rund 70 Zuhörern nahelegte. Zwar gäbe Deutschland nun durch diesen Entwurf endlich zu, dass es ein Einwanderungsland sei und „macht den Weg frei für berufliche Fachkräfte, nicht mehr nur für Akademiker“. Die Hürden, die der Entwurf aktuell aber noch mit sich bringe, seien groß. Beispielsweise die Anerkennung ausländischer Qualifikationen wird sich bei der Umsetzung des Gesetzes als schwierig erweisen. „Es wäre besser, wenn Arbeitgeber in Deutschland selbst darüber entscheiden könnten, ob ein Bewerber passt oder nicht“, meint Schmidt. Außerdem solle die Ausbildung von Fachkräften hier stärker gemacht werden, „sonst saugen wir die bereits ausgebildeten Leute nur aus dem Ausland raus“ statt junge Menschen mit Potenzial herzulocken.

Bernd Becking, der Vorsitzende der Geschäftsführung in der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit, überzeugte als zweiter Redner mit Zahlen und Fakten: „25 % der Beschäftigten in Brandenburg sind älter als 55“. Das bedeute hohe Abgangsraten und einen riesigen Bedarf an neuen Arbeitnehmern. Auch, weil allein „im vergangenen Jahr 14 500 neue Jobs entstanden“ sind und „die EU-Quellen versiegen“. Bevor die nötigen Fachkräfte dann allerdings aus dem Ausland kommen, „müssen wir das der Bevölkerung erst erklären, sonst fangen Bürger an sich zu beschweren, die Ausländer würden ihnen alle Jobs wegnehmen“, betonte Becking.

Als dritter und letzter Redner stellte sich Dr. Ulrich Jahnke, der Referatsleiter im Arbeitsstab der Bundesbeauftragten für Integration aus dem Bundeskanzleramt, vor die Zuhörer. Er beschrieb das aktuelle Verständnis der Bevölkerung vom Arbeitsmarkt mithilfe eines Fischteichs, in den erst neue Fische reindürfen, wenn ein alter Fisch gestorben ist. Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, müsse es aber mehr Fische im Teich geben, die bereitstehen, wenn Arbeitgeber ihre Angel auswerfen. Dabei machte Jahnke auch darauf aufmerksam, dass Deutschland im Wettbewerb der aufnehmenden Länder nicht gerade auf Platz eins stünde: „Die Sprache, das Wetter und die Wohnungssuche machen Deutschland schwierig“. Außerdem spielt natürlich auch die Einstellung der Bevölkerung eine große Rolle. „Akzeptanz muss eine der wichtigsten Währungen der Demokratie werden“, erklärte Jahnke. Nur so könne das Fachkräfteeinwanderungsgesetz auch umgesetzt werden.

Bevor sich Redner und Zuhörer am Ende des Abends einen kleinen Snack genehmigten, wurden in einer Fragerunde noch die Sorgen und Unklarheiten der Gäste behandelt. Besonders die Verwaltungsangelegenheiten, die das Gesetz mit sich bringen wird, standen im Fokus des Austausches. Zum Beispiel die Überprüfung ausländischer Qualifikationen, nach der das Gesetz verlangt, klingt zwar im ersten Moment eindeutig und logisch, in der Praxis wird sie aber enorme Probleme mit sich bringen. Allein schon Geburtsurkunden und Ausweise sehen von Land zu Land sehr unterschiedlich aus, gab ein Gast zu bedenken. Auch die Frage, ob die deutsche Bevölkerung die neuen Fachkräfte aus dem Ausland akzeptieren wird, stand im Raum. Mit diesen und ähnlichen Fragen, werden sich wenn die Zeit gekommen ist, wohl auch die Entscheidungstreffenden beschäftigen müssen.

Bilder von der Veranstaltung

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Vorstand
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Ferry Pausch (Stellv. Vorsitzender), Akin Duyar (Stellv. Vorsitzender)

Beirat
Suat Bakir, Dr. Wolf-Ruthart Born, Ibrahim Evsan, Cem Özdemir, Aydan Özoğuz
Dr. Wigan Salazar, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Stephan Thomae, Bülent Uzuner

2019-06-10T08:14:29+00:00 27.05.2019|

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